Immersive Fields
Research Proposal · Der Feldbegriff im Kontext virtueller Realitäten

Belege · 13
Mein Research Proposal Immersive Fields, der theoretische Teil meiner Masterarbeit an der KISD — Köln International School of Design der TH Köln, untersucht, inwiefern sich das Konzept des Feldes dazu eignet, das Spannungsverhältnis zwischen Realität und Virtualität zu beschreiben. Es eignet sich, sofern das Feld körperlich und materiell verstanden wird und nicht lediglich optisch.
Immersive Felder lassen sich in dieser Lesart als körperlich-materielle Spannungszonen begreifen, in denen die Möglichkeiten des menschlichen Wahrnehmungsapparates unterschnitten und so Phänomene der leiblichen Entgrenzung produziert werden. Immersiv sind diese Felder, weil Wirklichkeit in ihnen in einer kontinuierlichen Eintauchbewegung entsteht; sie bilden sich in den Konvergenzzonen zwischen körperlichen Wahrnehmungsmöglichkeiten und deren materiell-physischer oder apparativer Überschreitung.
Damit ist die Mondtäuschung ebenso ein immersives Feld wie eine U-Bahn, ein Egoshooter oder eine minimalinvasive roboter-assistierte Operation. Das Gefühl der Anwesenheit fließt vom Subjekt ausgehend entlang körperlich-materieller Brücken ins Zielgebiet und von dort zurück. Virtualität und Realität sind so keine einander ausschließenden Begriffe, sondern — wie das Mögliche und das Aktuelle — gegeneinander verspannte Punkte in einem Feld.
Die Argumentation stützt sich auf Laura Biegers „Ästhetik des Immersiven” und ihre Lesart des Venetian in Las Vegas, wo die Annäherung an ein fiktionales Venedig in doppelter Artikulation erfolgt: Der Körper bewegt sich in den Bildraum hinein, während die Vorstellung sich einem möglichen Venedig nähert. Erst die Gleichzeitigkeit beider Bewegungen macht aus einem Eintauchangebot eine Immersionserfahrung. Sie stützt sich weiter auf Martina Löws Begriff der Verinselung: auf U-Bahnen, die den visuellen Zusammenhang zwischen Bewegt-Werden und Bewegung durch die Stadt kappen, und auf die Loveparade, bei der Straßen zu Tanzflächen wurden und nicht mehr das Wo, sondern das Wann über Teilhabe entschied.
Zwei der hier genannten Felder habe ich gesondert untersucht: die Loveparade in der Bewegtbildanalyse Masses in (E)motion, die minimalinvasive roboter-assistierte Operation in Screen Spaces. Die zeitlichen Versätze solcher Felder nimmt meine Promotion unter dem Begriff des Delay wieder auf.