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Station · 2026— (laufend) · GRK 3064, JGU Mainz #sts#design-research#media-theory

Promotion — Techniken des Bezeugens

Doktorandin & wissenschaftliche Mitarbeiterin · GRK 3064, JGU Mainz

Seit April 2026 bin ich Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Graduiertenkolleg 3064 „Techniken des Bezeugens” an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, das die Praktiken und Verfahrensweisen der Zeugenschaft im digitalen Strukturwandel untersucht. Gegenstand meiner Dissertation ist dort Delay in verteilten soziotechnischen Gefügen, in denen Menschen, Maschinen, Daten und Infrastrukturen wechselwirken.

Handlung und Wahrnehmung werden in vernetzten Infrastrukturen räumlich entgrenzt und zeitlich verdichtet — ob in telechirurgischen Systemen, algorithmischen Entscheidungsketten oder satellitengestützten Netzwerken. Doch wo Interaktionen als instantan erscheinen, wirkt Zeitlichkeit weiter: nicht als vernachlässigbare Restgröße, sondern als konstitutive Bedingung. Jede mediale Kopplung produziert notwendig zeitliche Versätze: Latenzen, Taktungen, Differenzzeiten. Diese Verzögerungen verschwinden nicht mit steigender Übertragungsgeschwindigkeit; sie verlagern sich, falten sich in die Infrastrukturen ein und werden dort zur Strukturbedingung dessen, was überhaupt wahrgenommen, bezeugt und verantwortet werden kann.

Die Dissertation untersucht Delay als eine solche material-immanente temporale Faltung: als Differenzzeit, in der technische, leibliche und epistemische Praktiken asynchron koordiniert werden. Sie fragt, ob, wo und wie Delay in diesen Gefügen in Erscheinung tritt, wie es Wahrnehmung und Affekt strukturiert und unter welchen Bedingungen es Zeugenschaft ermöglicht oder unterbricht. Bezeugen begreife ich dabei als relational verteilte Praxis statt als punktuellen Akt: Verantwortung und Handlungsmacht zirkulieren zwischen Akteur:innen, Apparaturen und Infrastrukturen. Theoretisch verortet sich das Projekt an der Schnittstelle von Medienkulturwissenschaft, Kulturanthropologie, Praxeologie und Post-Phänomenologie.

Damit setze ich die Untersuchung komplexer Mensch-Maschine-Interaktionen fort, die mit meiner Bachelorarbeit Screen Spaces an der Uniklinik Köln begann und die ich im Feldforschungsprojekt Robotic Operations in teilnehmender Beobachtung weitergeführt habe. Am Da-Vinci-System® bleibt das Delay zwischen der Ausführung der Geste an der Konsole und ihrer Umsetzung im Bauchraum zu klein, um bemerkt zu werden, und faltet sich gerade dadurch in die Arbeitsbedingungen ein.