Masses in (E)motion
Bewegtbildanalyse · Loveparade 2010
Belege · 7
Masses in (E)motion ist eine Bewegtbildanalyse der Loveparade-Katastrophe von 2010, die ich mit Martin Marburger an der KISD erarbeitet habe. Sie fragt, ob sich einer vorhandenen Überwachungsaufnahme die Dichte einer Menschenmenge und der Moment, in dem diese Dichte umschlägt, entnehmen lassen, obwohl kein einzelnes ihrer Bilder sie zeigt.
Am 24. Juli 2010 starben bei der Loveparade in Duisburg einundzwanzig Menschen an Erstickung, mindestens fünfhundert weitere wurden verletzt. Es war das erste Mal, dass das Festival auf einem abgeschlossenen Gelände stattfand.
Für die Analyse wurde das Überwachungsvideo von Kamera 14 auf ein Prozent Deckkraft reduziert, anschließend mehrere hundert Mal dupliziert und übereinandergelegt, jede Kopie um genau ein Einzelbild versetzt, bis die Summe wieder volle Deckkraft erreichte. So entsteht ein visueller Querschnitt durch hundert aufeinanderfolgende Bilder, ein gleitender Mittelwert aus Körpern. Die Sequenz wurde abschließend um den Faktor zehn beschleunigt.
Befunde. Zunächst sind die baulichen Verhältnisse des Tunnels lesbar: Das Licht der Zugangsrampen erreicht noch den Boden. Etwa die ersten anderthalb Stunden strömen die Besucher:innen ungehindert zum Festivalgelände. Erst mit der polizeilichen Sperrung des Zugangs zur Hauptrampe gegen 16:00 Uhr steigt die Zahl der Menschen im Tunnelinneren abrupt an; die Menge verdichtet sich zu einem festen Körper. Das Bild hellt auf, da das Licht nun von den Köpfen der dicht gedrängten Menschen zurückgeworfen wird.
Die Dokumentation endet wenige Minuten vor den ersten Todesfällen auf der Hauptrampe. Eine der Ursachen der Katastrophe liegt vermutlich in dem, was diese Analyse sichtbar macht: Die Nachrückenden hatten keinen freien Blick auf die Hauptrampe und konnten auf den dortigen Stau nicht reagieren, sodass der Druck auf die bereits Stehenden von hinten kontinuierlich zunahm.
Techniken: Adobe After Effects · Adobe Illustrator
Mit: Martin Marburger