← INDEX
Abschlussarbeit · Okt 2019 · KISD, TH Köln · University Hospital Cologne #bachelor#vr#sts#design-research#interaction-design#field-work#photography#cinematography

Screen Spaces

Bachelorarbeit · KISD, TH Köln, in Kooperation mit der Uniklinik Köln

Belege · 18

In einem interdisziplinären Kooperationsprojekt zwischen der Uniklinik Köln und der KISD — Köln International School of Design der TH Köln untersucht meine Bachelorarbeit das Zusammenspiel von Bild, Raum und Handlung bei robotergeführten Operationen und entwickelt gestalterische Perspektiven auf die Beziehung von Design und Medizin. Gegenstand ist das Operationssystem Da Vinci® der Firma Intuitive Surgical, mit dem an der Uniklinik Köln minimalinvasive Eingriffe vorgenommen werden.

Minimalinvasive Interventionen konfrontieren Chirurg:innen mit einem zunehmend komplexen Handlungsgefüge aus technischen Apparaturen, bildgebenden Verfahren, maschinellen Prozessen und zwischenmenschlichen Interaktionen. Unter Verwendung eines chirurgischen Assistenzroboters verdichten sich diese Verflechtungen weiter: Das Da-Vinci-System ist modular aufgebaut, seine Komponenten sind im Operationssaal verteilt angeordnet, und bereits dieses räumliche Arrangement führt zu einer veränderten Rollen- und Aufgabenverteilung unter dem OP-Personal. Die operierende Person arbeitet von der Patientin abgewandt an einer Steuerkonsole, blickt in ein stereoskopisches Display und führt Instrumente, die sie zu keinem Zeitpunkt berührt; die Konsole erfasst ihre Handbewegungen und leitet sie mittels digitaler Signalübertragung an die endoskopischen Instrumente im Operationsfeld weiter. Handlung und Wahrnehmung werden so vollständig über Bilder vermittelt: Das System lässt die Operierenden im Inneren der Patientin anwesend sein und entfernt sie zugleich weiter von ihr als jedes andere chirurgische Instrument.

Während medizinische Studien den Nutzen solcher Systeme zu belegen versuchen, bleiben Fragen zum Bild-Raum-Gefüge und zum Handlungsfeld zwischen System und Operationsteilnehmenden weitgehend unberücksichtigt. Wie wird die Wahrnehmung der Operierenden durch die physisch-digitale Operationsumgebung strukturiert, zu welchen Handlungen wird aufgerufen, und welche Sinne außer dem Sehsinn werden angesprochen?

Diesen Fragen bin ich unter Zuhilfenahme audiovisueller Medien nachgegangen: mit Videoaufzeichnungen im Operationssaal, mit Zeitrafferanalysen der Körperhaltung an der Konsole und mit einer Überlagerung der Handbewegungen an der Konsole mit den Instrumentenbewegungen im Bauchraum. In dieser Überlagerung sehen die Operierenden ihre eigenen Hände synchron mit den endoskopischen Instrumenten arbeiten. Anhand dieser Bild- und Videoanalysen zeigt die Arbeit, welche Translations- und Transformationsprozesse dem Zugriff auf — und Eingriff in — den menschlichen Körper in minimalinvasiven roboter-assistierten Teleoperationen zugrunde liegen. Sie legt so die Bedingungen und Möglichkeiten dieser komplexen Mensch-Maschine-Interaktionen frei und deckt die zwingenden Wirkungen des Operationssystems auf. Dabei ist mir aufgefallen, dass Operierende, an der Steuerkonsole sitzend, nur etwa 20 Prozent der Zeit die Arme auf den Armlehnen abstützen.

Die hier eröffneten Fragen sind mit der Abschlussarbeit nicht beantwortet: An die Beobachtung an der Konsole knüpfte das Forschungsprojekt Robotic Operations an, und der Aufsatz Beyond Boundaries führte sie zur Exteriorisierung der chirurgischen Geste weiter.

Entstanden ist die Arbeit zwischen November 2018 und Juli 2019 im Fachgebiet Designtheorie und -forschung der KISD, betreut von Prof. Dr. Carolin Höfler.

Kooperationspartner:innen: Univ.-Prof. Dr. Christiane Bruns, Direktorin der Allgemein-, Viszeral- und Tumorchirurgie der Uniklinik Köln · Priv.-Doz. Dr. Hans F. Fuchs, Leiter der roboterassistierten Chirurgie der Uniklinik Köln · Prof. Dr. Carolin Höfler, Designtheorie und -forschung, KISD der TH Köln

Gezeigt bei: Kölner Designpreis 2019 (Nominierung) · KISD Parcours 2019 · GfM-Jahrestagung „Medien-Materialitäten”, Universität zu Köln