Virtuelle Realitäten entwerfen
Tagung · Mit weit geschlossenen Augen, KISD, 31. Mai – 1. Juni 2017

Belege · 5
Mit weit geschlossenen Augen. Virtuelle Realitäten entwerfen
31. Mai und 1. Juni 2017 · KISD, TH Köln, konzipiert mit dem Institute of Media
and Design der TU Braunschweig
Die interdisziplinäre Tagung der KISD ging der Frage nach, wie mobile Virtual-Reality-Technologien Raumerfahrung und Selbstwahrnehmung verändern und welche Folgen die Grenzaufhebung von Bild und Körper für das Entwerfen in Design und Architektur hat. Vorgeführt wurde dort die VR-Anwendung With Eyes Wide Shut, die ich mitentwickelt habe.
Die größten Technologie-Unternehmen drängten seinerzeit mit ihren neuen Virtual-Reality-Brillen in den Massenmarkt und versprachen den Benutzer:innen ein vollständiges Eintauchen in immersive Bildwelten; unter Zuhilfenahme von Head-Mounted Displays der neuesten Generation, so die Werbebotschaften, würden virtuelle Realitäten endlich ›real‹. Doch von welchen real-virtuellen Realitäten wird hier gesprochen, was zeichnet sie aus, und worin unterscheiden sie sich von bloßen Bildräumen?
Das physische Bild, das durch Träger und Rahmung nach außen abgegrenzt wird, stellt eine Distanz zwischen Bild und Betrachter:in her. Die Wahrnehmung mit einer VR-Brille erschwert solche Unterscheidungen: Die stereoskopische 3D-Tiefenerfassung und das verzögerungsfreie Nachvollziehen von Kopfbewegungen bekräftigen den Eindruck, nicht vor einem Bild, sondern in einem Bildraum, bei den Dingen zu sein und mit diesen zu interagieren. Diese neuartigen Verwicklungen zwischen der „Daseinsform des Tastraums” und der „Wirkungsform des Gesichtsraums” (August Schmarsow, 1896) verändern nicht nur den Gegenstand, sondern grundsätzlich den Prozess des Entwerfens: In den Fokus des Entwurfsinteresses gerät die Gestaltung spezifischer Handlungsräume, die durch das Zusammenspiel von Körpern, technischen Dingen und physischen Umwelten entstehen.
Diesen Fragen widmeten sich fachübergreifend Forscher:innen und Gestalter:innen aus Design, Kunst und Architektur, Informatik, Philosophie, Kunstgeschichte, Medien- und Kulturwissenschaften sowie Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft.